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  • Luftbild vom Zentrum Wald-Forst-Holz Weihenstephan © S. Döring/HSWT

    Aktuelle Meldungen

    Die am Statusseminar des Kuratoriums für forstliche Forschung vorgestellten Forschungsprojekte werden schwerpunktmäßig von den Mitgliedern im Zentrum Wald-Forst-Holz Weihenstephan, des Studienbereichs Forstwissenschaft und Ressourcenmanagement der TU München, der Fakultät Wald und Forstwirtschaft der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und der der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft durchgeführt.


    30. Statusseminar des Kuratoriums für Forstliche Forschung

    am Mittwoch, 22. April 2026

     

     


    29. Statusseminar des Kuratoriums für Forstliche Forschung

    Am Donnerstag, 03. April 2025

    Die forstliche Forschungsförderung des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus bedient eine Vielzahl Forschungsthemen rund um den Wald. Praxisnähe wird dabei großgeschrieben. Beim mittlerweile 29. Statusseminar boten wir Ihnen wieder vertiefte Einblicke in die Vielfalt der forstlichen Forschungsthemen. Auch gab es wieder die Gelegenheit, unseren Referenten direkt Fragen zu Ihrer Forschung zu stellen oder Anregungen aus der Praxis zu geben.

    Am Vormittag setzten wir einen waldbaulichen Schwerpunkt. Es ging um das Zukunftspotential von Douglasien- und Weißtannenbeimischungen und die Auswirkungen waldbaulicher Eingriffe auf die Biodiversität. Zwei weitere Vorträge widmeten sich dem Bergwald: zum einen natürlichen Störungen und zum anderen den Auswirkungen des Klimawandels auf die Artenzusammensetzung. Der Nachmittag war bunt gemischt mit Vorträgen zum bayerischen Standortinformationssystem, zum Einsatz von Drohnen bei der Zustandserfassung von Wäldern und mit der Vorstellung des neuen Bodenfeuchtemonitors.

    Den Abschluss der Veranstaltung bildete ein wildbiologischer Block mit aktuellen Erkenntnissen aus der Gamsforschung und einem Bericht zu KI-Anwendungen in der Wildbiologie. Aufgrund der positiven Resonanz der letzten Jahre zum digitalen Format der Veranstaltung haben wir uns erneut zu einer Online-Veranstaltung entschieden. Vorteile hierbei waren die Reichweite auch weit über Bayern hinaus und dass Sie sich einzelne Highlights herausgreifen konnten.

    Veranstaltet wurde das Statusseminar vom Zentrum Wald-Forst-Holz Weihenstephan in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft und der Geschäftsstelle des Kuratoriums für Forstliche Forschung.

     

    Programm 29. Statusseminar 

    Pressemitteilung: Ein Tag voller Erkenntnisse

    Bild zur PM: Gämse; Quellenangabe: H.-J. Fünfstück/www.5erls-naturfotos.de 

     

    Kurzfassungen der Vorträge

    Vormittag

    Nachmittag

     


    28. Statusseminar des Kuratoriums für Forstliche Forschung

    Von der Fernerkundung bis zur Holzforschung, von Unterfranken bis zum alpinen Raum: die forstliche Forschungsförderung des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus deckt eine große Bandbreite von praxisrelevanten Themen ab. Am 28. Statusseminar gaben wir Ihnen einen kleinen Einblick in die Vielfalt der aktuellen forstlichen Forschungsthemen.

    Am Vormittag befassten wir uns überwiegend mit waldbaupraktischen Themen. Unter anderem mit Vorträgen zum Einsatz von Pioniervegetation im Alpenraum, einer Untersuchung zu biologisch abbaubaren Wuchshüllen und zur schnellen Erfassung von Borkenkäferschäden aus der Luft.

    Der Nachmittag stand zunächst im Fokus naturschutzrelevanter Fragestellungen mit Projekten zur Wiedervernässung von Niedermooren, zur Raumnutzung der Wildkatze in Bayern und zu den Wirkungen des Waldumbaus von Nadelholzreinbeständen. Die holztechnische Forschung beleuchtete eine Untersuchung zum Verklebungsverhalten von Mischbaumarten.
    Zum Abschluss stellten wir Ihnen Ergebnisse aus dem ertragskundlichen Versuchswesen vor, das in Bayern eine lange Tradition und eine beeindruckende Vielfalt von Versuchsflächen hat.

    Veranstaltet wurde das Statusseminar vom Zentrum Wald-Forst-Holz Weihenstephan in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft und der Geschäftsstelle des Kuratoriums für Forstliche Forschung.

     

     Vormittagsblock

    Klimasensitivität von Buchenbeständen in BayernDrohnenaufnahme von Baumkronen Tobias Hase StMELF

    Standortssicherung auf Katastrophenflächen durch Pioniervegetation

    Mikroklimatische Bedingungen in handelsüblichen und biologisch abbaubaren Wuchshüllen

    Vom Satelliten bis zur Drohne: Einsatz der forstlichen Fernerkundung zur Erfassung von Borkenkäferschäden

     

     

     Nachmittagsblock

    Wiedervernässung und Nassnutzung von Wäldern auf NiedermoorstandortenWildkatze Rudolf Vornehm klein

    Dichtegradienten der Wildkatze in einem heterogenen Wald-Offenland-Lebensraum

    Diversifizierung von Nadelholzreinbeständen im Spessart seit den 1990er Jahren

    SicherHolzKleben: Optimierung von 1K-PUR Klebungen mit dauerhaften und hochfesten Holzarten

    Kombinierte Mischbestands-Durchforstungs- Versuche

     

    Fotos:  Drohnenaufnahme von Baumkronen, Tobias Hase StMELF / Wildkatze, Rudolf Vornehm

    Pressemitteilung zum 28. Statusseminar


     

    27. Statusseminar des Kuratoriums für Forstliche Forschung

    Wissenschaftliche Einblicke in das geheime Leben der Bäume

    Wie Trockenheit, Hitze und Insekten unsere Wälder stressen

    Am 29. März 2023 fand das 27. Statusseminar des Kuratoriums für Forstliche Forschung am Zentrum Wald-Forst-Holz Weihenstephan statt. Am Vormittag präsentierten fünf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Forschungsergebnisse darüber, wie sich Trockenstress und Hitze auf verschiedene Baumarten auswirken. Am Nachmittag drehte sich alles um einen unscheinbaren Nachtfalter – den Schwammspinner. In vier Vorträgen zeigten die Referenten was passiert und was man tun kann, wenn sich Schwammspinner in Massen vermehren und durch Kahlfraß zur Gefahr für Eichenwälder werden. Wichtigstes Ziel des Statusseminars ist es neues Wissen für alle, die über die Zukunft des Waldes entscheiden, bereitzustellen. Über 350 Forstpraktiker sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nahmen an der online durchgeführten Tagung teil und diskutierten mit den Vortragenden.

    Buche, Fichte und Kiefer am Rande der Existenz

    Der fortschreitende Klimawandel bringt in den letzten Jahren weltweit wiederholte und langanhaltende Dürreperioden, die ein massives Sterben von Bäumen und Beständen verursachen. In einem einzigartigen Experiment wird seit mehreren Jahren untersucht, wie sich Trockenstress auf Bäume und Bestände auswirkt. Prof. Dr. Thorsten Grams von der Arbeitsgruppe Ökophysiologie der Pflanzen, der Technischen Universität München (TUM) stellte Ergebnisse eines großen Forschungsprojektes mit internationaler Beteiligung im Kranzberger Forst vor. Untersucht werden vor allem die Auswirkungen von mehrjähriger Sommertrockenheit, die Regenerationsfähigkeit der Bäume nach Aufhebung des experimentell herbeigeführten Trockenstresses, sowie die Bedeutung der Bodenmikrobiologie für die Resilienz. Bemerkenswert ist, dass das physiologische Anpassungspotenzial der Bäume bislang unterschätzt wurde und dass die Fichte von einer Mischung mit Buche profitiert.

    Raschelndes Laub im Sommer – Welche Auswirkungen haben Dürresommer für die Buche?

    Die Sommer in den Jahren 2018 bis 2020 waren insbesondere in Franken extrem trocken. Mit Hilfe von modernster Lasertechnologie untersucht Thomas Mathes in zahlreichen Waldbeständen auf der Fränkischen Platte und im Steigerwald, wie sich solche Dürresommer auf die Buche als Einzelbaum und als Bestand auswirken. Sein Projekt läuft an der Professur für Wald und Agroforstsysteme der Technischen Universität München (TUM), wo u.a. erforscht wird, wie die Adaptionskraft der Ökosysteme durch zielgerichtetes waldbauliches Handeln verbessert werden kann. Nachweisen konnte Mathes, dass Bäume im Unter- und Zwischenstand weniger leiden als große und dicke Bäume. Außerdem zeigten sich strukturreiche Waldbestände tendenziell resilienter als strukturarme, wobei der Effekt nur sehr schwach ausgeprägt ist.

    Feldahorn, Flatterulme, Elsbeere und Hainbuche – Eine gute Alternative im Klimawandel?

    Julia Schmucker, die am Lehrstuhl für Waldwachstumskunde der TUM promoviert, zeigte auf Basis ihrer Untersuchungen, dass diese seltenen heimischen Baumarten im Klimawandel durchaus interessant sind. Bei richtiger Pflege und konsequenter Freistellung können sie als Mischbaumarten auch ökonomisch interessante Dimensionen und Zuwächse erreichen und helfen die negativen Folgen des Klimawandels abzumildern.

    Wirkung von Trockenheit und Hitze auf Sämlinge von Buche und Eiche

    Professorin Dr. Farhah Assaad vom Fachgebiet Botanik und Prof. Dr. Peter Annighöfer von der Professur für Wald- und Agroforstsysteme der TUM erforschen mit ihrem Team in zwei hochmodernen Klimakammern in Freising, wie sich Trockenheit und Hitze sowohl einzeln als auch in Kombination auf die Sämlingssterblichkeit in Rein- und Mischkulturen auswirken und konnten zeigen, dass die Eichensämlinge in vielerlei Hinsicht dem Klima mehr entgegenzusetzen haben als die kleinen Buchen.

    • Versuchsfläche im Kranzberger Forst, bei der Fichten und Buchen künstlicher Sommertrockenheit ausgesetzt wurden. Foto: T. Grams, TUM
    • Seit den Trockensommern ab 2018 kam es vermehrt zum Absterben von Buchen. Thomas Mathes untersuchte, wie sich bestimmte Waldstrukturen auf die Trockenheitsresistenz von Buchen auswirken. Foto: M. Stimmelmayer
    • Forscherinnen und Forscher der TU München setzten Eichen- und Buchensämlinge in Klimakammern gezielt unter Trockenstress und Hitzeeinwirkung. Foto: Farhah Assaad, TUM

       

      Mimic – gegen den „Angriff der Killerinsekten“

      Was nach Hollywood-Horror klingt, kann für Eichenwälder ernst werden. In einem umfangreichen Verbundprojekt arbeiten Forschende der TUM, der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) und der Universität Würzburg an der Beantwortung der Frage, wie am besten auf die Massenvermehrungen des Schwammspinners reagiert werden sollte. Soll das Insektizid Mimic eingesetzt werden, um Kahlfraß und in Folge Absterben zu stoppen? Oder sind die Kollateralschäden höher als die vermiedenen Schäden?

      Zunächst fasste Prof. Dr. Wolfgang Weisser, Lehrstuhl für Terrestrische Ökologie der TUM die wichtigsten Ergebnisse der umfangreichen Studie zusammen, bevor drei Forscher aus dem Projektteam aus Sicht des Waldschutzes, des Waldwachstums und der Ökologie die Auswirkungen verschiedener Handlungsoptionen detaillierter vorstellten. Erfreulicherweise zeigte sich, dass sowohl die Auswirkungen des Schwammspinnerbefalls auf die Eiche als auch die Auswirkungen des Insektizideinsatzes gegen den Schwammspinner geringer sind als ursprünglich angenommen.

      Dr. Hannes Lemme von der LWF in Freising zeigte, wie über Fernerkundungsmethoden Schäden erkannt und Prognosen über deren Ausmaß verbessert werden können. Hierzu nutzten sie Daten des Sentinel 1 Radarsatelliten in Kombination mit Daten aus der Gelegesuche. Auf dieser Basis wurden die voraussichtliche Dichte der Schwammspinnerpopulation und die daraus zu erwartenden Schäden durch Entlaubung vorhergesagt. Alles mit dem Ziel besser entscheiden zu können, ob Insektizide eingesetzt werden sollen oder nicht.

      Dr. Torben Hilmers vom Lehrstuhl für Waldwachstumskunde der TUM beantwortete die Frage: Wie wirkt sich ein Schwammspinnerbefall auf das Wachstum und Überleben von Eichen aus? Hilmers stellte fest, dass das Wachstum von Eichen nach Kahlfraß um 40 bis 60 Prozent geringer als bei Vergleichsbäumen ist. Abhängig von der Stärke der Entlaubung im Jahr der Kalamität, aber spätestens zwei Jahre danach war kein Effekt der Entlaubung mehr auf das Wachstum nachweisbar. Besonders schwierig ist die Feststellung der durch die Massenvermehrung des Schwammspinners verursachte Mortalität der Eichen. Mit zunehmender Entlaubung stieg die Absterbewahrscheinlichkeit von dickeren, älteren Bäumen, während sie bei dünneren, jüngeren sank. Allerdings konnte im Rahmen des Projekts nicht untersucht werden, welche Effekte bei einer wiederholten Entlaubung durch den Schwammspinner auftreten, da während der Projektlaufzeit kein zweiter Kahlfraß stattfand.

      • Schwammspinnerraupen während einer Massenvermehrung. Foto H. Lemme, LWF
      • Schwammspinner mit Eigelege; Foto: H. Lemme, LWF

        Auswirkungen von Schwammspinnergradation und Mimic-Bekämpfung auf Nachtschmetterlinge, Parasitoide, Vögel und Fledermäuse

        „Eichenwälder sind Hotspots der Biodiversität“, betonte Prof. Dr. Jörg Müller von der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Er konnte auf Basis seiner wissenschaftlichen Forschung folgende Fragen beantworten: Welche Kollateralschäden hat der Insektizideinsatz gegen die Schwammspinner? Welche Arten sind Gewinner, welche Verlierer und wie lange dauern die Effekte an? So konnte beispielsweise nachgewiesen werden, dass die Nachtschmetterlingsdiversität durch Bekämpfung mit Mimic in den Eichenkronen bei kleinflächiger Behandlung über drei Jahre nicht zurückgeht. Zweitbruten bei Kohlmeise und Blaumeise wurden zwar durch die Bekämpfung beeinträchtigt, die Vogelgemeinschaften wurden aber nicht verändert. Auch bei den Fledermäusen, die über mehrere Jahre mit Batcordern erfasst wurden, zeigte sich, dass die Reduktion der Biomasse der Nachtschmetterlinge durch die Bekämpfung ohne Auswirkungen auf die Fledermäuse blieb.

        Nach jedem Vortrag und am Ende der Veranstaltung standen die Vortragenden den Teilnehmerinnen und Teilnehmern für Fragen und Diskussion zur Verfügung.

        Finanziert wurden die Forschungsprojekte vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Das Kuratorium für Forstliche Forschung berät über die Förderung der eingereichten Projektanträge.

        Die vorgestellten Projekte wurden überwiegend bei den drei Partnern im Zentrum Wald-Forst-Holz Weihenstephan durchgeführt, der Technischen Universität München, der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft.

         

        Programm

         

        Kurzfassungen und Projektseiten zu den Vorträgen

        Vormittagsblock

        Fichte, Kiefer und Buche in Rein- und Mischbeständen nach Trockenheit – das Kroof II-Experiment

        Trockenstress in Buchenwäldern – was kann der Waldbau tun?

        Wachstum und Klimasensitivität seltener Baumarten

        Auswirkungen von Trockenheit und Hitze auf Sämlinge von Buche und Eiche

        Nachmittagsblock - Das Projekt Z 73

        Die folgenden 4 Kurzfassungen beziehen sich auf das Projekt "Z 73 - Ermittlung forstlicher und ökologischer Kosten und Handlungsoptionen bei Massenvermehrungen des Schwammspinners in Bayern"

        Link zur Projektseite "Z 73" Externer Link

        Handlungsoptionen bei Massenvermehrungen des Schwammspinners – Einführung und zentrale Erkenntnisse

        Erkenntnisse aus Sicht des Waldschutzes

        Einfluss von Schwammspinnergradation und Insektizideinsatz auf das Wachstum von Bäumen

        Auswirkungen von Schwammspinnergradation und Mimic-Bekämpfung auf Nachtschmetterlinge, Parasitoide, Vögel und Fledermäuse

         


         

        26. Statusseminar des Kuratoriums für Forstliche Forschung

        Wissen für die Wälder von morgen

        Mittwoch, 30. März 2022, 8:45–15:00 Uhr, Onlineveranstaltung über Webex

         

        Am 30. März 2022 fand das 26. Statusseminar des Kuratoriums für Forstliche Forschung am Zentrum Wald-Forst-Holz Weihenstephan statt. In zehn Vorträgen stellten die Referentinnen und Referenten kurz und präzise die wichtigsten Ergebnisse ihrer aktuellen waldbezogenen Forschungsprojekte vor. Wichtigstes Ziel der Veranstaltung ist es neues Wissen für alle, die über die Zukunft des Waldes entscheiden, bereitzustellen. Über 300 Forstpraktiker sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nahmen an der online durchgeführten Tagung teil.

        Klimawandel – besorgniserregende Dynamik für den Wald

        „Seit den Trockensommern 2018 bis 2020 zeigt sich im Wald eine bislang unbekannte und besorgniserregende Dynamik. Die Bedeutung der Forschung für die forstliche Praxis ist also enorm, zumal die Auswirkungen im Umgang mit dem Wald oft erst nach Jahrzehnten sichtbar werden“, betonte Hubertus Wörner, Leiter der Bayerischen Forstverwaltung in seinem Grußwort.

        Daten der Bayerischen Waldklimastationen zeigen schnelle Verschlechterungen der Wuchsbedingungen für die Bäume

        „Alte Wälder müssen heute Standortsbedingungen meistern, die sie nie zuvor erlebt haben“, stellte Hans-Peter Dietrich von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) im ersten Vortrag heraus. Bereits seit mehr als 30 Jahren werden mit den Bayerischen Waldklimastationen Klimadaten gesammelt und so die Veränderungen dokumentiert. So ist ein Temperaturanstieg im Sommer von bis zu zwei Grad in den letzten 70 Jahren an allen Messtationen zu beobachten, was für viele Waldbäume einen enormen Stress verursacht. Waldumbau hin zu klimastabileren Mischbeständen ist also auf großen Flächen dringend notwendig.

        Waldumbau und Biodiversität

        Ziel des ökologischen Waldumbaus ist neben einer besseren Klimaresilienz auch der Erhalt und wo möglich die Verbesserung der Biodiversität. Dr. Bastian Schauer und Dr. Thomas Kudernatsch, LWF, beschäftigen sich mit den Auswirkungen des Umbaus von Fichtenwäldern in Mischwälder mit Buchen. Sie erwarten, dass durch den ökologischen Waldumbau die Vielfalt an Tieren, Pflanzen, und Pilzen zunimmt. Dazu wurden 54 Flächen im Ebersberger Forst untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass im Untersuchungsgebiet die Kombination verschiedener Waldtypen mit unterschiedlich hohen Buchen- und Fichtenanteilen die höchste Gesamtdiversität mit sich bringt.

        Welche alternativen Baumarten ertragen Trockenheit am besten?

        Das von Dr. Markus Schmidt und Viviana Horna von der Universität Bayreuth vorgestellte Projekt hatte zum Ziel, die Empfindlichkeit von Jungpflanzen alternativer Baumarten hinsichtlich Trockenheit zu beurteilen. Zwei Versuchsstandorte in Unter- und Oberfranken lieferten Daten zu verschiedenen nichtheimischen Baumarten. Während sich Libanonzeder und die heimische Referenz-Baumart Stieleiche als eher trockentolerant erwiesen, reagierten die Westliche Hemlocktanne, die Orientbuche und die Silberlinde eher empfindlich. Bornmüller-Tanne und Riesenlebensbaum liegen bei dieser Untersuchung im Mittelfeld. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Baumarten, die aus südlicheren Regionen stammen, nicht automatisch bei uns für den Anbau im Klimawandel empfohlen werden können. Vielmehr müssen zunächst vielversprechende Arten weiterhin intensiv erprobt und untersucht werden.

        Welche heimischen Baumarten kommen mit Trockenstress am besten zurecht?

        Einige seltene heimische Baumarten ertragen die Veränderungen durch den Klimawandel bislang anscheinend noch unbeschadet. Dazu zählen der Feldahorn, die Flatterulme, der Speierling und die Eibe. Im Zukunftswald könnten sie also eine größere Rolle spielen. Dr. Alwin Janßen und Dr. Muhidin Šeho vom Bayerischen Amt für Waldgenetik berichteten über ein Projekt, das die Grundlagen für die sichere Versorgung mit qualitativ hochwertigem und herkunftssicherem Saat- und Pflanzgut für diese Arten schaffen soll. So konnten zum Beispiel ausgewählte Saatguternte- und Erhaltungsbestände in das bayerische Erntezulassungsregister aufgenommen werden. Damit wird eine langfristige Nutzung dieser wertvollen Bestände gewährleistet. Daneben ist geplant Erhaltungsplantagen dieser vier Projektbaumarten aufzubauen.

        Weitere Vorträge

        Aufgrund der negativen Klimaveränderungen für den Wald werden große Schadereignisse in den Wäldern häufiger. Der Vortrag von Dr. Christoph Straub und Rudolf Seitz, LWF, beschäftigte sich mit Forschungsergebnissen zu den Möglichkeiten und Grenzen von Fernerkundungsdaten bei der Bewältigung von Schadereignissen im Wald. Die weiteren Vorträge befassten sich mit dem Borkenkäfermonitoring an der Fichte, der hochmechanisierten Laubholzernte und der Klimaschutzwirkung von Waldmoorrenaturierung auf Hochmoorstandorten. Dem Themenkomplex Wald und Gesellschaft widmeten sich zwei Vorträge: zum einen lag der Fokus auf der Waldnutzung zu Gesundheitszwecken, zum anderen auf dem Erlebnis in Naturwäldern.  

        Finanziert wurden die Forschungsprojekte vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Das Kuratorium für Forstliche Forschung berät über die Förderung der eingereichten Projektanträge.

        Die vorgestellten Projekte wurden überwiegend bei den drei Partnern im Zentrum Wald-Forst-Holz Weihenstephan durchgeführt, der Technischen Universität München, der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft.

         

        Programm

        26. Statusseminar_Programm_A4_quer.pdf

         

        Kurzfassungen und Projektseiten zu den Vorträgen

        Standortfaktoren im Wandel - Monitoring mit Blick auf die Wälder von morgen

        Beurteilung der Trockensensitivität alternativer Baumarten auf den bayerischen KLIP18-Versuchsflächen

        Herkunftsempfehlungen für heimische Exoten

        Waldmoorrenaturierung auf Hochmoorstandorten – Bewertung der Klimaschutzwirkung

        Möglichkeiten und Grenzen der Bereitstellung von Fernerkundungsdaten bei Schadereignissen im Wald

        Überwachung von Forstschadinsekten: Ergebnisse und Entscheidungshilfen am Beispiel der Borkenkäfer an Fichte

        Waldnutzung zu Gesundheitszwecken – Herausforderungen und Chancen für forstliche Akteure

        Auswirkungen von Waldumbaumaßnahmen auf Waldstruktur und Biodiversität

        Naturwälder.Erleben – Werkzeuge für den Dialog mit der Gesellschaft

        Eignung hochmechanisierter Holzernteverfahren für laubholzdominierte Bestände

         

         


         

        25. Statusseminar des Kuratoriums für Forstliche Forschung

        Forschung für die Wälder der Zukunft

        Am 24. März 2021 fand das 25. Statusseminar des Kuratoriums für Forstliche Forschung am Zentrum Wald-Forst-Holz Weihenstephan statt. Sieben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellten ihre aktuellen Arbeiten vor. Rund 400 Forstpraktiker und Wissenschaftler*innen nahmen an der erstmals online durchgeführten Tagung teil.

        Klimaanpassung

        Durch den Klimawandel sind viele Wälder in Mitteleuropa gefährdet. Die Geschwindigkeit des Wandels erschwert eine natürliche Anpassung der Waldökosysteme. Dr. Alwin Janßen, Leiter des Bayerischen Amts für Waldgenetik, berichtete über das Projekt SusTree – Saat- und Pflanzgut für Wälder der Zukunft. Zu den Zielen des Projekts gehört es, die Anpassung durch einen gezielten Baumsamen-Transfer zu fördern. Im Fokus stehen Baumarten, die sowohl bei uns, als auch in trocken-warmen Regionen vorkommen. „Wir arbeiten daran Herkunftsfragen über Ländergrenzen hinweg zu lösen und die Saatgutversorgung zu sichern“, so Janßen. Im Rahmen des Projekts wurde die App „SUSselect“ entwickelt, die für Baumarten je nach Pflanzort eine Vorkommens-Wahrscheinlichkeit vor dem Hintergrund der erwarteten Klimaänderungen angibt.

        Mit der Baumartenwahl im Klimawandel unter ökonomischen Gesichtspunkten beschäftigte sich Stefan Friedrich an der TU München. Er untersuchte unterschiedliche Zusammensetzungen von Fichte und Buche in Bezug auf das Risiko für Waldbesitzer. Ihn interessierte, welche Baumartenzusammensetzungen und welche Art der Bewirtschaftung sich besonders günstig auf die Stabilität der Wälder, deren Kohlenstoff-Speicherfähigkeit und auf finanzielle Erträge durch Holzverkauf auswirken. Die Ergebnisse zeigen die Notwendigkeit, den Waldaufbau anzupassen und das Baumartenspektrum zu erweitern.

        • Labiler Fichtenreinbestand. Foto: C. Josten, ZWFH
        • Weiblicher Falter des Schwammspinners (Lymantria dispar) Foto: Tobias Hase, StMELF
        • Schwammspinnerfraß, Foto: Hannes Lemme, LWF
        • Hackholz, Foto: Robert Götzfried

          Eichenwälder

          Unter den Hauptbaumarten in Bayern ist die Eiche besonders gut an Hitze und Trockenheit angepasst. Für die Klimaanpassung der Wälder spielt sie damit eine große Rolle. Forschungsergebnisse aus Naturwaldreservaten zeigen jedoch, dass die Eichenanteile in sich selbst überlassenen Wäldern seit mehreren Jahrzehnten zurückgehen. Eichen-Jungwuchs wird durch Konkurrenz von anderen Baumarten und Wildverbiss stark dezimiert. „Nicht mal ein Prozent Eichenanteil in der Verjüngung haben wir in den untersuchten Buchen-Waldgesellschaften, in denen durchschnittlich 26 Prozent Eichen im Altbestand vorkommen. In Eichen-Waldgesellschaften hat die Eiche nur gut fünf Prozent Anteil an der Verjüngung“, erläuterte Kilian Stimm von der TU München. „Eichen brauchen viel Licht und eine konsequente Pflege“, betonte Stimm. Gezieltes Waldmanagement ist für die Förderung von Eichen also unerlässlich.

          Mit einer für Eichenwälder charakteristischen Schmetterlingsart, dem Schwammspinner, befasst sich Professor Wolfgang Weisser von der TU München. Seit 2018 durchläuft der Schwammspinner in Teilen Bayerns eine Massenvermehrung, die voraussichtlich erst dieses Jahr abklingt. Seine Raupen können bei besonders hoher Populationsdichte Eichenwälder mitsamt der Bodenvegetation kahlfressen. So können Folgeschäden bis zum Absterben der Bäume auftreten. Weisser untersuchte den Einfluss des Schwammspinners und dessen Bekämpfung auf die Lebensgemeinschaften im Eichenwald. Dabei geht es nicht vorrangig um eine wirtschaftliche Entscheidung, sondern vielmehr um eine ökologische Gesamtabwägung zur langfristigen Sicherung der vielfältigen Waldfunktionen.

          Nährstoffnachhaltigkeit

          Mit der Energiewende wächst die Nachfrage nach schwächerem Holz für die Energieerzeugung. Auch zur Borkenkäferbekämpfung ist das Zerhacken von Kronenmaterial notwendig. Gerade in der Rinde sowie in Nadeln und Blättern sind aber besonders viele Nährelemente enthalten, die mit der Nutzung dem Wald entzogen werden. „Insbesondere die Nährstoffversorgung von Waldökosystemen darf bei einer intensivierten Biomassenutzung nicht außer Acht gelassen werden“, betonte Stephan Rimmele von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF). Das von ihm vorgestellte Projekt beschäftigt sich mit Nährstoffbilanzen und erarbeitet Beratungsgrundlagen für das Bayerische Standortinformationssystem BASIS.

          Wildtiermanagement

          Dr. Wibke Peters, LWF, berichtete zum Projekt „Integrales Schalenwildmanagement im Bergwald“. In dem Forschungsvorhaben werden in zwei repräsentativen Projektgebieten im Karwendel und im Chiemgau neben der Populationsgröße und dem Populationszustand auch die Raumnutzung von Gams, Rot- und Rehwild detailliert untersucht. Die in dem Projekt erarbeiteten Forschungsergebnisse sollen unter anderem die Grundlage für ein zukunftsweisendes integrales Schalenwildmanagement schaffen.

          • Gams in den Bayerischen Alpen. Foto: C. Josten
          • Rothirsch, Foto: H. J. Fünfstück

            Dr. Frederik Franke, Mitarbeiter der LWF, stellte das Projekt „Neue Wege zu einem grenzüberschreitenden Rotwildmanagement in Zeiten des Klimawandels“ vor. Zunehmende Störungen der Wälder durch Sturmwurf und Borkenkäfer führen zu einem Populationsanstieg und verändertem Wanderverhalten der Rothirsche in der Grenzregion zwischen Bayern und Tschechien. Ziel des Projekts ist es, den Verantwortlichen des Rothirschmanagements in der Grenzregion wissenschaftlich fundierte Informationen zur Population und deren räumlicher Verteilung zur Verfügung zu stellen. Auf Grundlage dieser Erkenntnisse, soll ein integrales Rotwildmanagement etabliert werden.

             

            Programm

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            Kurzfassungen der Vorträge

            1 - Nährstoffnachhaltige Waldbewirtschaftung in Bayern. Rimmele, Stephan und Dr. Dietz, Elke (LWF)

            2 - Baumartenwahl im Klimawandel – ein ökonomischer Ansatz. Friedrich, Stefan (AELF Mindelheim) und Prof. Dr. Knoke, Thomas (TUM)

            3 - Saat- und Pflanzgut für Wälder der Zukunft. Dr. Janßen, Alwin (AWG)

            4 - Entwicklungspotenzial der Eiche in bewirtschafteten und unbewirtschafteten Wäldern in Abhängigkeit von Bestandsstruktur und Standortbedingungen. Stimm, Kilian und Prof. Dr. Pretzsch, Hans (TUM)

            5 - Ermittlung forstlicher und ökologischer Kosten und Handlungsoptionen bei Massenvermehrungen des Schwammspinners in Bayern. Prof. Dr. Weisser, Wolfgang (TUM)

            6 - Integrales Schalenwildmanagement im Bergwald. Dr. Peters, Wibke; Edelhoff, Hendrik; Cybulska, Nicolas und Zollner, Alois (alle LWF)

            7 - Neue Wege zu einem grenzüberschreitenden Rotwildmanagement in Zeiten des Klimawandels. Dr. Franke, Frederik und Dr. Peters, Wibke (beide LWF)

             


             

            Absage

            24. Statusseminar des Kuratoriums für Forstliche Forschung

            31. März 2020, Freising

            Das Statusseminar des Kuratoriums für forstliche Forschung muss wegen dem Corona-Virus für den 31. März 2020 in Freising abgesagt werden und findet nicht statt. Wir bedauern dies sehr, aber aufgrund der aktuellen Entwicklung steht die Gesundheit aller im Vordergrund.

             


             

             

            23. Statusseminar des Kuratoriums für Forstliche Forschung:

            Kahlfraßgefahr im Eichenwald, Anbauempfehlungen für weitere Baumarten und Ahorn-Stammkrebs

            Die vielfältigen Themen des Statusseminars zogen am 9. April 2019 über 130 Teilnehmer aus Forstpraxis und Wissenschaft ins Zentrum Wald-Forst-Holz Weihenstephan nach Freising. Die Tagung des Kuratoriums für forstliche Forschung informiert jährlich über aktuelle Ergebnisse waldbezogener Forschung.

            Wald ist multifunktional

            Wald spielt eine herausragende Rolle als Freizeit- und Erholungsraum. Er bietet vielfältige Lebensräume für Tier- und Pflanzenarten. Förster sichern die Bereitstellung des nachwachsenden Rohstoffes Holz. Und Holzverwendung ist aktiver Klimaschutz.

             

            Dr. Wolfram Schaecke, Leiter des Forschungsreferats im Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, betonte bei seiner Begrüßung: „Angesichts der angespannten Situation in unseren Wäldern ist es jedoch wichtig, einen Schritt voraus zu sein. Dazu trägt die forstliche Forschung einen wichtigen Teil bei!“

            Anbauempfehlungen für weitere Baumarten

            Wolfgang Falk von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) weiß: „der Klimawandel macht vertieftes Wissen über die Anbaueignung seltener und nicht-heimischer Baumarten wichtig. Deshalb stehen unseren Revierleitern für die Beratung der Waldbesitzer demnächst für elf weitere Baumarten bayernweite Anbaurisiko-Karten zur Verfügung." Die Baumartenpalette im Bayerischen Standortinformationssystem wird dabei mit Baumarten wie der heimischen Vogelkirsche, der wüchsigen Küstentanne oder der von den Römern eingeführten Esskastanie von 21 auf 32 Arten erweitert.

            Kahlfraßgefahr in Eichenwäldern

            Der Schwammspinner, ein unscheinbarer Nachtfalter, durchläuft seit 2018 eine Massenvermehrung in Franken. Seine Raupen fressen bei besonders hoher Populationsdichte Eichenmischwälder zum Teil mitsamt der Bodenvegetation kahl. So können Folgeschäden bis zum Absterben der Bäume auftreten. Deswegen erfolgt in Bayern ein intensives Monitoring zur Dichteentwicklung der Schwammspinnerpopulation.

            Dr. Hannes Lemme von der LWF arbeitet an der Optimierung der Monitoringverfahren. Dazu gehören auch die Untersuchungen zur Beziehung von Eigelegedichte und Kahlfraß, die als Grundlage für ein Entscheidung über einen Pflanzenschutzmittel-Einsatz dient. Die Untersuchungen begannen 2018 und werden in den folgenden Jahren weitergeführt. Lemme betont: „Ein hohes Risiko für einen Kahlfraß zieht nicht zwingend eine Behandlung des betroffenen Waldbestandes mit Pflanzenschutzmitteln nach sich.“ Kriterium ist ausschließlich eine bestandesbedrohende Gesamtsituation. Wird diese Situation von den Waldschutzspezialisten festgestellt, entscheidet der Waldeigentümer, ob ein Pflanzenschutzmitteleinsatz durchgeführt wird.

            Die Belange des Naturschutzes werden bei der Behandlung umfassend berücksichtigt, um ungewollte Auswirkungen auf so genannte Nichtzielorganismen zu minimieren. Kann nicht sicher ausgeschlossen werden, dass es bei einer Behandlung zu einer Verschlechterung für bestimmte Arten wie seltene Schmetterlinge oder bestimmte Vogel- und Fledermausarten käme, werden diese Flächen nicht behandelt.

            „Die Ergebnisse von über 100 ausgewerteten wissenschaftlichen Studien zu diesem Thema zeigen jedoch, dass die Auswirkungen auf die Nichtzielorganismen nicht verheerend, sondern reversibel sind, da die Bestände sich nach der Behandlung wieder erholen“, so Dr. Stefan Müller-Kroehling von der LWF. Auch geht es bei den Maßnahmen um den Erhalt der artenreichen Eichenwälder als Lebensräume. „Es ist uns ureigenstes Anliegen, dass wir dabei ganz stark auch den Naturschutz berücksichtigen“, so der Forstwissenschaftler.

            Neuer Schädling Ahorn-Stammkrebs

            Entlang der Isar breitet sich am Ahorn seit einigen Jahren ein in Bayern noch neuer Pilz aus. Der Erreger Eutypella parasitica verursacht einen mit zunehmender Befallsdauer deutlich sichtbaren Stammkrebs. „Am stärksten ist der Bergahorn betroffen, befallene Spitz- und Feldahorne kommen jedoch auch vor“ berichtet Ludwig Straßer von der LWF. In Bayern wurde E. parasitica erstmalig 2013 in München gefunden. „Dass sich der Pilz nach dem Befall in der Stadt auch in den Wald ausbreitet, war naheliegend“ so Straßer. Er berichtet: „Nach Regen ist die Infektionsgefahr besonders hoch. Über Astausbrüche infiziert er den Holzkörper gesunder Bäume und breitet sich darin etwa ein bis zwei Zentimeter im Jahr aus. Durch die Abwehrreaktion des Baumes kommt es zur charakteristischen Krebsbildung. Diese wird in etwa elliptisch bis gut einen halben Meter groß und tritt meistens auf über drei Meter Höhe auf.“ Ein Team der LWF untersuchte das Schadausmaß im Münchener Umland und war dabei an 85 Ahornen fündig. Der Waldschutzexperte rät dazu, befallene Ahorne zügig zu fällen, den Krebs herauszusägen und verbrennen zu lassen. Denn die freiliegenden Fruchtkörper sind eine permanente Infektionsgefahr und das Risiko der Ausbreitung wird als sehr hoch eingeschätzt. Der jüngste befallene Ahorn war zehn Jahre alt, das Durchschnittsalter betrug 35 Jahre.

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            Wald – Quo vadis? Aktuelle forstliche Forschungsergebnisse am 22. Statusseminar

            Am Dienstag, 13. März 2018, präsentierten Forscher im Zentrum Wald-Forst-Holz Weihenstephan ihre Arbeiten zum Thema Wald und Forstwirtschaft. Vielfach beschäftigen sich die Wissenschaftler mit den Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald. Fest steht: der Wald steht vor zahlreichen Herausforderungen.

            Klimawandel verschiebt Standortsparameter

            Durch den voranschreitenden Klimawandel ändern sich die Lebensbedingungen für Pflanzen und Tiere. Die Änderung der Standortsbedingungen in Bayern interessiert Professor Anton Fischer, Geobotaniker an der TU München. Erstmals konnte er eine detaillierte Karte der „potentiellen natürlichen Vegetation“ – also einer Vegetation völlig ohne Eingriffe durch Menschen – für Bayern modellieren, die auch die Folgen möglicher Klimaentwicklungen visualisiert. Dazu erfasste sein Forscherteam für 28 Millionen Punkte in Bayern alle relevanten Daten, die das Pflanzenwachstum beeinflussen. Wird zu diesen Daten eine Klimaerwärmung hinzugerechnet, kann man beobachten wie sich die „potentielle natürliche Vegetation“ auf der Karte verschiebt. „Rund 1,4 Grad Celsius Klimaerwärmung haben wir bereits. Und bei plus 2 Grad kommen schon auf einem Drittel der Landesfläche Standortsbedingungen vor, die wir bisher in Bayern gar nicht vorfinden“ erklärt Fischer.

            Daraus ergibt sich eine große Notwendigkeit, unsere Wälder für das zukünftige Klima anzupassen. Das bedeutet, es müssen vermehrt Baumarten gepflanzt und gefördert werden, die besonders gut mit Hitze und Trockenheit, aber auch mit den weiterhin vorkommenden Winter- und Frühjahrsfrösten zurechtkommen.

            Kiefernsterben nach Trockensommer 2015

            Das sieht auch Hans-Joachim Klemmt von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft so. In einem Gemeinschaftsprojekt mit der TU München untersuchte er das vermehrte Absterben von Kiefern nach dem Trockensommer 2015. Die Wissenschaftler konnten an allen untersuchten Kiefern einen Pilzbefall nachweisen, der das sogenannte Diplodia-Triebsterben verursacht. „Eigentlich lebt der Pilz lange Zeit unauffällig, aber nach dem die Kiefern vom Trockensommer geschwächt waren, konnte der Pilz in Verbindung mit weiteren Erregern als tödlicher Schädling auftreten“ erläutert Klemmt.

            Eichenprozessionspinner profitiert von Klimawandel

            Bernhard Loock beschäftigt sich mit der Eiche und den Insekten, die gerne an ihr fressen: „Die Eiche ist sehr robust und an Hitze und Trockenheit gut angepasst. Damit ist sie eine ideale Baumart für die Zukunft. Aber wenn ihre Krone mehr als ein Jahr in Folge kahl gefressen wird, führt das häufig zum Absterben.“ Bis vor wenigen Jahren kam der Eichenprozessionsspinner, ein Falter dessen Raupen junge Eichenblätter fressen, in Bayern fast nur in Unterfranken vor. Durch das warme Klima der letzten Jahre konnte er sich auf einen Großteil von Bayern ausbreiten. „Damit kann bei Massenvermehrungen ein weiterer Schädling die Eichen bedrohen. Wir haben untersucht, ob mit Lockstoffen ein Überwachungssystem für die Eichenprozessionsspinner möglich ist. Leider haben die Untersuchungen ergeben, dass dies praktisch nicht umsetzbar ist.“

             

            Wald braucht Forschung

            Keiner weiß genau, was die Zukunft und der Klimawandel bringen wird. Doch die Forscher sind sich einig, dass weiterhin forstliche Forschung notwendig ist, um die sich verändernde Natur besser zu verstehen. Professor Schölch von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf schließt die Veranstaltung mit den Worten „der Wald ist nicht nur Holzlieferant oder Lebensraum für Pflanzen und Tiere, er ist auch eine Lebensgrundlage für uns Menschen. Und um das Wissen zu erlangen, dass für die Erhaltung unserer Wälder in Zukunft notwendig sein wird, ist weitere Forschung unbedingt notwendig.“ Dafür bietet das Zentrum Wald-Forst-Holz Weihenstephan hervorragende Möglichkeiten, denn über diesen Zusammenschluss sind drei forstliche Institutionen im Bereich der Forschung eng vernetzt.

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            21. Statusseminar: Eichenwälder unter Druck – Aktuelle Forschungsergebnisse  

            Wissenschaftler präsentierten im Zentrum Wald-Forst-Holz Weihen-stephan am Mittwoch, 5. April 2017, ihre Forschungsergebnisse zum Thema Wald und Forstwirtschaft. Die Tagung, das 21. Statusseminar des Kuratoriums für forstliche Forschung, stellt jährlich neue Arbeiten vor.

            130 Teilnehmer – Förster, Waldbesitzer und Wissenschaftler – verfolgten die Vorträge und diskutierten mit zahlreichen Wortmeldungen die Ergebnisse. Die Themen reichten von der Eiche in Naturschutzwäldern über Metagenomik als neuer Monitoring-Methode bis zu Energieholz im Ökolandbau oder gesellschaftlichen Ansprüchen an den Wald der Zukunft. Der Wald reicht damit in verschiedenste Forschungs- und Lebensbereiche der Menschen hinein.

            Diese Eiche stirbt wegen junger, in ihre Krone hineinwachsender Buchen langsam ab. (Foto Stefan Müller-Kroehling, LWF)„Wie steht es um die Eichenwälder?“ fragt sich der erste Referent, Markus Blaschke. Er erläutert, dass konkurrenzstärkere Baumarten die Eiche ohne menschliches Eingreifen zurückdrängen. Bei einem Generationswechsel im Wald geht die Eiche häufig komplett verloren. Doch gerade die Eiche bringt eine unglaublich hohe Artenvielfalt an Tieren unter den heimischen Baumarten mit sich. So können bis zu 1000 Arten an ihr leben. „Auch wenn der Klimawandel der Eiche zu Gute kommt, ist eine sehr gezielte, nachhaltige Waldpflege ist notwendig, wenn wir die Eichen langfristig erhalten wollen.“ betont der Wissenschaftler Stefan Müller-Kroehling.

            Ob Holz machen für den heimischen Ofen im Winter, spazieren gehen bei Vogelgezwitscher und Frühjahrsblumen, Pilze sammeln im Herbst, Downhill fahren oder auf Pirsch gehen in der Morgendämmerung – die Wünsche an den Wald sind so vielfältig wie die Gesellschaft selber. „Doch welche Ansprüche stellt die Gesellschaft an den Wald der Zukunft? Und wie lassen sich diese optimal in der Waldbewirtschaftung berücksichtigen?“ fragt sich Gerd Lupp, der das Besucherverhalten im Wald analysiert.

            Getreu dem Motto „Wer streut, rutscht nicht“ setzen Förster seit vielen Jahren auf Mischwald mit verschieden Baumarten. Der Vorteil liegt auf der Hand: wenn eine Baumart wegen Schädlingsbefall oder Dürre ausfällt, können die Nachbarn den frei gewordenen Platz für Ihr Wachstum nutzen und so die ausgefallenen Bäume ersetzen. „Kann die Douglasie die vom Klimawandel bedrohte, aber in Bayern häufigste Baumart – die Fichte – ersetzen?“ fragt sich Professor Prietzel. „Ja, teilweise“ ist die Antwort, „denn in Mischung mit der Buche hat solch ein Mischwald zahlreiche Vorteile gegenüber reinen Nadelbaum-Wäldern: zum Beispiel senken sie die Nitratbelastung im Grundwasser.“ Gegenüber reinen Nadelbaum-Wäldern und reinen Buchenwäldern folgen noch mehr Vorteile: Sie sind bei Stürmen stabiler, sie bilden Humus, welcher mehr Kohlenstoff bindet, sie erholen sich nach Trockenjahren schneller, und es stellt sich eine höhere Artenvielfalt in Mischwäldern ein. Eric Thurm erklärt, dass in solch einem Mischwald sogar mehr Holz wächst, als wenn ein Buchenwald und ein Douglasienwald nebeneinander stehen würden.

            Die forstliche Forschung leistet einen unverzichtbaren Beitrag für die nachhaltige und naturnahe Bewirtschaftung unserer Wälder. Erkenntnisse aus langfristigem Versuchswesen und Umweltmonitoring stellen die Wissensbasis für eine zukunftsträchtige Waldbewirtschaftung dar. Denn unser Wald ist nur dann nachhaltig, wenn er unterschiedliche gesellschaftliche Anforderungen gleichermaßen erfüllen kann.

            Programm

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            Kurzfassungen der Vorträge

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